Regional

Heideradio macht Zeitensprünge: Jugendprogramm will erfragen, entdecken, dokumentieren

LAUSSIG. Bei verschiedenen Festen in der Region sieht man sie gelegentlich durch die Reihen der Gäste gehen. Die Rede ist von einer Handvoll Jugendlicher, die mit Mikrofon, Camcorder und Stift ausgerüstet, den Menschen Fragen stellen.

„Wir sind für das Jugendprogramm Zeitensprünge unterwegs, das die Stiftung Demokratische Jugend in Berlin ins Leben rief“, erzählt Florian Holtorff aus Eilenburg. Der Zwölfjährige besucht die Oberschule in Bad Düben und engagiert sich in seiner Freizeit beim Projekt „Dübener Heide Rundfunk“. Wie sein Mitstreiter Chris Hübner aus Hohenprießnitz hinzufügt, startete die Initiative 2009 an der Schule als Neigungskurs und wurde später von der Zukunftswerkstatt Dübener Heide und der Mobilen Jugendarbeit übernommen.

Zurzeit sind zehn Jungen und Mädchen aus und in verschiedenen Gemeinden als Ortsgruppen aktiv. Ein Teil der Schüler trifft sich regelmäßig im Jugendklub Zschepplin und auf der anderen Seite der Mulde nutzen die jungen Nachwuchsreporter das Ländliche Bürgerzentrum in Laußig. Mit im Boot sitzt der mobile Jugendarbeiter Lucas Meyer aus Merseburg. Der 25-Jährige betreut seit Januar dieses Jahres im Auftrag der Zukunftswerkstatt alle Ortsteile der Gemeinden Doberschütz, Zschepplin und Laußig. Berufsbegleitend absolviert der junge Mann übrigens ein Masterstudium Systemische Sozialarbeit. (Kontakt: Telefon 0157/ 34 33 55 96, jugendarbeit@zw-dh.de). Das Projekt Dübener Heide Rundfunk wird medienpädagogisch auch vom Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanal (SAEK) Torgau begleitet.

„Wir sind junge Menschen, die die Dübener Heide bekannter machen wollen“, erklärt Florian Buttgereit aus Hohenprießnitz. Dabei recherchieren die Kids verschiedene Themen, führen Interviews und veröffentlichen diese auf ihrer Homepage (dh-rundfunk.de). Mit dem Projekt Zeitensprünge begaben sich die jungen Radiomacher unter anderem zum Sommerfest an das Hohenprießnitzer Schloss, um mit Einwohnern und Gästen ins Gespräch zu kommen. Mit der Zscheppliner Bürgermeisterin Roswitha Berkes führten sie ein Interview.

Wenn die 700-Jahrfeier der Gemeinde Doberschütz vom 3. bis 7. September mit großem Programm über die Bühne geht, wollen sich Jonas, Florian, Chris und ihre Mitstreiter wieder unter das Publikum mischen. „Wir möchten wissen, wie es in unserer Heimatregion früher war“, erläutert Jonas Hickmann aus Zschepplin. Man wolle beispielsweise über Dinge sprechen, die sich verändert haben oder heute in der Form wie früher nicht mehr existieren.

Ein gutes Beispiel in diesem Zusammenhang seien die ehemaligen Tanzsäle der Dorfgasthöfe, die seinerzeit eine wichtige soziale und kulturelle Rolle im ländlichen Raum spielten. Kaum noch einer von ihnen existiert und dabei haben sich ganze Generationen auf dem Saal kennengelernt und später ihre Familien gegründet. Wie kam die damalige Generation ohne Handy aus? Was war für sie wichtig? Welche Musik hörten sie am liebsten im Radio? Für das ostdeutsche Jugendprogramm Zeitensprüngen sind allein in ganz Sachsen 24 Teams mit solchen und ähnlichen Fragen unterwegs, um die Geschichte vor ihrer Haustür zu erkunden.

„Durch die Erforschung lokaler Geschichten soll erreicht werden, dass sich Jugendliche ganz bewusst mit ihrer Heimat auseinandersetzen“, so Johannes Zerger aus Berlin, Geschäftsführer der Stiftung Demokratische Jugend. Mit finanzieller Unterstützung, die unter anderem auch vom Sächsischen Sozialministerium gewährt wird, sind unter anderem Broschüren, Flyer, Filme oder Ausstellungen vorgesehen. KiKi

Bildnachweis: Jonas und Chris (re.) beim Hohenprießnitzer Sommerfest am Schloss im Gespräch mit Dieter Enders aus Sausedlitz.    Foto: KiKi

24.08.14, 07:08